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12 June 2014

#Howafo: Der theoretische Hintergrund Teil 2

3. Bürgereinbindung in Prävention und Wiederaufbau

Kurzfristig müssen die Schäden schnellstmöglich und unbürokratisch beseitigt werden. Dieser Effekt wird verstärkt, wenn sich die Naturkatastrophe zufällig in einem Wahljahr ereignet, wie beispielsweise die Hochwasser der Jahre 2002 und 2013. Nimmt der Alltag nach Beseitigung der schwersten Schäden erstmal wieder seinen Gang, rückt die Frage der Prävention in den Fokus. Während also betroffene Bürger in ihren Alltag zurückkehren, beschäftigen sich Verwaltungen und Kommunen mit den Lehren der Katastrophe und erarbeiten Vorschläge zur Prävention. Die Bürger sind hier erstmal nicht direkt gefragt, können jedoch in Form von Bürgerinitiativen Einfluss auf dieses Prozess nehmen. Auf Seiten der Verwaltung ist hierbei das Bewusstsein dafür, dass Prävention ein Prozess ist, der Verwaltung und Bürger gleichermaßen betrifft, sehr wichtig. Je umfassender die Öffentlichkeit über die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen informiert ist, umso höher ist das Vertrauen in die Behörden. Mehr Vertrauen in die Behörden ist auch mit einem Gefühl größerer Kontrolle über die von der Umwelt ausgehenden Gefahren verbunden (Paton 2007, Lalwani/ Duval 2000). Kommunikation einerseits und das dadurch entstehende Vertrauen andererseits sind also wichtige Eckpfeiler einer erfolgreichen Präventionskampagne.

4. Naturkatastrophen und politische Beteiligung

Politische Beteiligungsprozesse als Reaktion auf Naturkatastrophen haben normalerweise zwei Ursprünge. Sind die Bürger unzufrieden mit dem Katastrophenmanagement der Verwaltungen und/ oder der Politik gründen sich aus Wut und Hilflosigkeit spontan Bürgerbewegungen. Es kann aber durchaus auch im Interesse der Verwaltung/ Politik sein, partizipatorische Prozesse selbst anzuschieben. Kweit und Kweit (2004) zeigen, dass Bürgereinbindung in die Entscheidungen rund um das Krisenmanagement zwar zeitaufwändig und kurzfristig komplexer ist, aber langfristig für eine signifikant höhere Zufriedenheit der Betroffenen mit dem Krisenmanagement sorgt. Auf diese Weise werden Kommunikationskanäle zwischen Politik/ Verwaltung und Betroffenen geschaffen, die langfristig ein Klima für konstruktiven Austausch und Zusammenarbeit schaffen. Die oftmals als Reaktion auf inadäquates Krisenmanagement entstehende antagonistische Einstellung kann so vermieden werden. Aus der Sicht der Politik/ Verwaltung ist es also besser, von vorneherein Betroffene in das Krisenmanagement aktiv einzubinden. Geschieht dies nicht, sollte aus Wut und Hilflosigkeit gegründeten Bürgerinitiativen aber unbedingt ein Gehör gegeben werden, um die Basis für besseres Krisenmanagement in der Zukunft zu legen.
Nicht zuletzt stellt die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft den Staat vor große Probleme. Gemeinschaftlicher Zusammenhalt ist nicht überall eine Selbstverständlichkeit (Twigg 1999, Furedi 2007). Der einzelne verlässt sich häufig mehr auf den Staat als Helfer in Not, als auf Nachbarn. In Zeiten klammer öffentlicher Kassen, können die Erwartungen an das öffentliche Krisenmanagement nicht immer voll erfüllt werden, was wiederum zu Unzufriedenheit führen kann. Auch vor diesem Hintergrund sollten Politik und Verwaltungen engagierte Bürger in Prävention und Krisenmanagement einbinden.

#HoWaFo hat es sich zum Ziel gesetzt, die verschiedenen Perspektiven zu dokumentieren. Wir möchten nicht mit erhobenem Zeigefinger auf Fehler hinweisen, sondern das Potential für eine effektivere Einbindung aller vorhandenen Ressourcen aufzeigen. Denn die Theorie sagt uns ganz klar: Nur wo Bürger und Politik/ Verwaltung sich auf Augenhöhe treffen, können die Umweltkatastrophen der Zukunft auch für alle Seiten zufriedenstellend gemeistert werden.

Quellen
Furedi, F. (2007): From the Narrative of the Blitz to the Rhetoric of Vulnerability. Cultural Sociology 1(2): pp. 235-254.
Kweit, M.G. & R.W. Kweit (2004): Citizen Participation and Citizen Evaluation in Disaster Recovery. American Review of Public Administration 34(4), pp. 354-373.
Lalwani, N. & T. Shelley Duval (2000): The Moderating Effects of Cognitive Appraisal Processes on Self-Attribution of Responsibility. Journal of Applied Social Psychology 30(11), pp. 2233-2245.
Paton, D. (2007): Preparing for Natural Hazards: The Role of Community Trust. Disaster Prevention and Management 16(3), pp. 370-379.
Twigg J. & C. Benson (1999), NGO Natural Disaster Mitigation and Preparedness Projects: An Assessment and Way Forward (London: British Red Cross Society).

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